Dein Leben besteht aus den Dingen, mit denen du dich beschäftigst. WÄHLE!
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Aus meiner Beratungspraxis: Impulse für ein selbstbestimmtes (Berufs-)Leben
Liebe Leserin, lieber Leser,
in meiner täglichen Arbeit als Karriereberaterin und Stress- und Burnout-Coach begegnen mir immer wieder dieselben Muster: Menschen, die erschöpft sind, obwohl sie „alles richtig machen“. Menschen, die erfolgreich wirken, sich aber innerlich leer fühlen. Menschen, die nicht verstehen, warum sie trotz aller Anstrengung nicht glücklich sind.
Aus diesen Begegnungen und den gemeinsamen Erkenntnissen mit meinen Klientinnen und Klienten ist diese Reihe entstanden – Impulse aus der Praxis für die Praxis. Keine theoretischen Abhandlungen, sondern erprobte Gedanken und Werkzeuge, die wirklich etwas bewegen können.
Der erste Impuls, den ich mit Ihnen teilen möchte, ist zugleich einer der kraftvollsten:
„Dein Leben besteht aus den Dingen, mit denen du dich beschäftigst. WÄHLE!“
Die tiefere Bedeutung
Unser Leben ist nicht das, was wir besitzen, nicht unser Titel oder unser Status – es ist die Summe dessen, womit wir unsere Zeit, Energie und Aufmerksamkeit füllen. Jede E-Mail, jedes Projekt, jedes Gespräch, jeder Gedanke formt die Substanz unseres Daseins.
Das Wort WÄHLE ist dabei kein Vorschlag, sondern ein Weckruf. Es erinnert uns daran, dass wir – trotz aller äußeren Zwänge – mehr Gestaltungsmacht haben, als wir oft glauben. Die Frage ist nicht, ob wir wählen, sondern ob wir bewusst oder unbewusst wählen.
Was das mit Karriere und Erschöpfung zu tun hat
In der modernen Arbeitswelt erleben viele Menschen einen schleichenden Kontrollverlust. Der Kalender füllt sich wie von selbst, das Postfach quillt über, und plötzlich besteht das Leben aus Dingen, die andere für uns gewählt haben: endlose Meetings, die eigentlich nicht nötig wären, Projekte, die nicht zur eigenen Entwicklung beitragen, das permanente Reagieren auf die Dringlichkeiten anderer.
Dieses ständige Getriebensein kann wesentlich zu chronischem Stress beitragen. Wenn wir das Gefühl verlieren, unser Leben aktiv zu gestalten, entsteht eine tiefe Erschöpfung – nicht nur körperlich, sondern vor allem emotional und mental. Wir fühlen uns als Spielball äußerer Umstände, als Hamster im Rad.
Der Aphorismus macht deutlich: Erschöpfung hat oft weniger mit der Menge an Arbeit zu tun als mit zu wenig bewusster Wahl. Menschen können erstaunlich viel leisten, wenn sie sich mit Dingen beschäftigen, die ihnen wichtig sind. Kraftlos werden wir, wenn wir dauerhaft Energie in Dinge stecken, die uns nicht nähren.
Beispiele aus dem Berufsalltag
Namen und Details sind verändert.
Julia, 38, Teamleiterin: Julia verbrachte ihre Tage damit, Brände zu löschen und auf Anfragen zu reagieren. Abends fühlte sie sich leer, obwohl sie „produktiv“ war. Bei genauerem Hinsehen stellte sie fest: Sie hatte keinen einzigen Moment für strategisches Denken oder die Entwicklung ihres Teams verwendet – für die Dinge, die ihr eigentlich wichtig waren. Ihr Alltag bestand aus den Krisen anderer, nicht aus ihren eigenen Prioritäten.
Stefan, 45, Führungskraft: Stefan sagte zu fast allem Ja – aus Pflichtgefühl, aus Sorge, sonst nicht mehr wichtig zu sein. Sein Kalender war voll, sein Leben fühlte sich leer an. Als er anfing, bewusst zu wählen, reduzierte er seine Meetings um rund 40 Prozent und gewann Zeit für neue Ideen und seine persönliche Weiterentwicklung. Er fühlte sich deutlich weniger gestresst und zufriedener.
Anna, 32, Projektmanagerin: Anna ertappte sich dabei, dass sie ihre Mittagspausen am Schreibtisch verbrachte, beim Abendessen E-Mails checkte und selbst im Urlaub nicht abschalten konnte. Ihr Leben bestand aus Arbeit – nicht, weil es nötig war, sondern weil sie nie bewusst gewählt hatte, womit sie ihre Zeit füllen wollte.
Sieben Schritte für Ihren Alltag
1. Die Bestandsaufnahme
Führen Sie eine Woche lang ein ehrliches „Beschäftigungs-Tagebuch“. Notieren Sie jeden Abend:
- Womit habe ich heute meine Zeit verbracht?
- Was davon habe ich bewusst gewählt?
- Was hat mich genährt, was hat mich ausgelaugt?
- Wenn dies mein ganzes Leben wäre – wäre ich zufrieden?
2. Die Unterscheidung
Teilen Sie Ihre Tätigkeiten in drei Kategorien:
- Bewusst gewählt und wertvoll: Das möchte ich behalten.
- Notwendig, aber verbesserbar: Wie kann ich es effizienter oder angenehmer gestalten?
- Gewohnheit oder Fremdbestimmung: Was kann ich reduzieren, delegieren oder ganz lassen?
3. Die Drei-Prioritäten-Regel
Legen Sie jeden Morgen fest: Mit welchen drei Dingen soll sich mein Tag heute beschäftigen? Nicht das Dringendste, sondern das Wichtigste. Schützen Sie Zeit dafür, bevor der Tag Sie überflutet.
4. Das bewusste Nein
Halten Sie bei jeder Anfrage kurz inne und fragen Sie sich: „Wenn ich hier Ja sage – wähle ich dann, dass mein Leben aus dieser Sache besteht?“ Legen Sie sich freundliche, aber klare Formulierungen zurecht:
„Das passt gerade nicht zu meinen Prioritäten.“
„Ich kann das nicht in der Qualität liefern, die es verdient.“
„Lassen Sie mich schauen, wer besser geeignet wäre.“
5. Die Freiräume schützen
Blocken Sie bewusst Zeit für das, was Ihnen wichtig ist – und behandeln Sie diese Termine wie ein Meeting mit Ihrem wichtigsten Kunden: sich selbst.
- Zeit für strategisches Denken
- Zeit für Entwicklung und Lernen
- Zeit für Erholung und Beziehungen
- Zeit für das, was Ihnen Sinn gibt
6. Die Wochenreflexion
Nehmen Sie sich jeden Freitag- oder Sonntagabend 15 Minuten:
- Bestand diese Woche aus Dingen, die ich gewählt habe?
- Wo habe ich mich treiben lassen?
- Was möchte ich nächste Woche anders wählen?
7. Die digitale Grenze
Wählen Sie bewusst, wann Sie erreichbar sind. Ihr Leben soll nicht aus permanenter Verfügbarkeit bestehen, nur weil die Technik es möglich macht.
Der Weg zu einem selbstbestimmten Leben
Diesen Aphorismus in Ihr Leben zu holen, ist kein einmaliger Akt, sondern eine tägliche Praxis. Es geht nicht darum, perfekt zu werden oder alles zu kontrollieren. Es geht darum, die Regie über Ihr Leben zurückzugewinnen – Schritt für Schritt.
Genau hier beginnt Burnout-Prävention: bei der Erkenntnis, dass Sie eine Wahl haben. Selbst wenn Sie den Job nicht sofort wechseln können, können Sie wählen, wie Sie mit Ihrer Arbeit umgehen. Selbst wenn ein Projekt unvermeidbar ist, können Sie wählen, welche Haltung Sie dazu einnehmen und welche Grenzen Sie setzen.
Ihr Leben besteht aus den Dingen, mit denen Sie sich beschäftigen. Schauen Sie sich um: Gefällt Ihnen, was Sie sehen? Wenn nicht – Sie haben die Macht zu wählen. Nicht alles auf einmal, aber jeden Tag ein Stück mehr.
Wenn mein Leben aus dem besteht, womit ich mich beschäftige – will ich, dass es aus DIESEM hier besteht?
Und dann: WÄHLE.
Jede bewusste Wahl ist ein Akt der Selbstfürsorge und ein wichtiger Schritt, um Erschöpfung vorzubeugen. Sie haben mehr Macht, als Sie denken – nutzen Sie sie weise.
In den kommenden Impulsen dieser Reihe teile ich weitere Erkenntnisse aus meiner Beratungs- und Coachingpraxis mit Ihnen – praktische Wegweiser für mehr Klarheit, weniger Stress und ein Leben, das Sie wirklich wählen. Ich freue mich, Sie auf diesem Weg zu begleiten.
Herzlichst
Ihre Petra Schreiber
Step and Talk – Coaching & Training für Menschen in Verantwortung
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