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Mit einem Selfie bewerben? Auf jeden Fall! - Teil 1

Mit einem Selfie bewerben? Auf jeden Fall!

 

Hier plaudert eine Karriereberaterin und ehemalige Personalerin aus dem Nähkästchen

 

Für jede Bewerbung gilt: Machen Sie ein authentisches Bild von sich! Ja, tatsächlich ein Selfie. Aber nicht mit der Handykamera. Das Schlüsselwort heißt „Selbstmarketing“. Wie Sie mit einer eindrucksvollen Bewerbung den Fuß in die Tür bekommen, verrät Ihnen hier Petra Schreiber, Karriere-, Image- und Persönlichkeitscoach, Inhaberin des Unternehmens „Step and Talk“ mit jahrzehntelanger Erfahrung als Personalerin.

 

Vor allem, wenn man in der Situation ist, sich aufgrund bestehender oder drohender Arbeitslosigkeit möglichst rasch und erfolgreich bewerben zu müssen, bereitet die Vorstellung, wegen einer mangelhaften Bewerbung die Traumstelle zu verpassen, so manche Bauchschmerzen. Zahlreiche Ratgeber, ob gedruckt oder online, widmen sich diesem Thema, können aber letztlich auf die ausschlaggebenden Facetten einer Bewerbung nicht eingehen: Ihr persönliches Profil, Ihre Vergangenheit und individuelle Ausgangssituation. Letztlich kann dies umfassend und detailgenau auch nur der persönliche Austausch im Rahmen eines Coachings gewährleisten. Damit Sie jedoch mit mehr Gelassenheit Ihr „Projekt Bewerbung“ anpacken können, hat Petra Schreiber, („P. S.“) gemeinsam mit ihrer Team-Mitarbeiterin Bettina Breese („B. B.“) auf Grundlage ihrer täglichen Coaching-Praxis ein exemplarisches Beratungsgespräch nachempfunden. Ganz nach dem Motto des Coaching-Unternehmens „Wir ziehen Ihre Mokassins an“ wurde der Fragenkomplex mit empathischem Feeling aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, um ein plastischeres Bild entstehen zu lassen und einen eindimensionalen, blutleeren Ratgeber mit erhobenem Zeigefinger zu vermeiden.

 

An dieser Stelle werden im 14-tägigen Rhythmus jeweils folgende Themen behandelt:

 

Das Bewerbungsanschreiben, 1. und 2. Teil

Der Lebenslauf

Die Zeugnisse

Die Optik: formale Gestaltung, Layout, Deckblatt, Bewerbungsfoto

Online-Bewerbung und Online-Profil bei Business-Portalen

Das Bewerbungsgespräch

und ...

 

 

Petra Schreiber (P.S.) und Bettina Breese (B.B.) im Interview über "Das Bewerbungsanschreiben Teil 1":

 

B. B.: Ich habe mich schon so lange nicht mehr um eine Stelle beworben und bin total aus der Übung. Keine Ahnung, wie man das aktuell richtig macht. Im Internet habe ich zwar nachgeschaut, aber wenn ich lese, was ich alles falsch machen kann, brummt mir der Schädel: ein Haufen Ratgeber für angeblich „ideale“ Bewerbungen und manchmal sind sie sogar widersprüchlich! Jede Menge „Dos and Don’ts“ oder gar „Must nots“ … das hat mich nur noch mehr verunsichert. Es sind so viele Punkte zu beachten, vor allem beim Anschreiben und Lebenslauf: was kommt rein, was nicht und in welcher Reihenfolge? Gibt es die ultimativ korrekte Datumsangabe im tabellarischen Lebenslauf? Welches Layout ist angesagt? Bei den Mustervorlagen habe ich manchmal den Eindruck, mein Lebenslauf muss erst einen Design-Contest durchlaufen, um überhaupt gelesen zu werden. Und dann noch das Gedöns um‘s Foto: groß, klein, farbig, schwarz-weiß, ausgedruckt oder aufgeklebt? Deckblatt: ja, nein, vielleicht. Und wie läuft das Ganze als digitale Bewerbung ab: alles in ein PDF packen oder doch besser einzelne Anhänge? Mittlerweile soll es ja auch hip sein, wenn man eine eigene Website für Bewerbungen hat. Bei Xing und LindedIn und tausend anderen Kanälen soll man auch vertreten sein. Das wird irgendwie alles immer komplizierter. Woran soll ich mich bloß orientieren?

 

P. S.: Eines vorweg, es gibt keine „DIN-Norm“ für eine Bewerbung. Die könnten Sie theoretisch gestalten wie Sie wollen. Es gibt allerdings ein paar sinnvolle Tipps was das Layout angeht. Das klären wir dann später. Grundsätzlich sollte das Gesamtbild stimmig und die wichtigsten Eckpunkte im Anschreiben und im Lebenslauf schnell zu erkennen sein.

 

B. B.: Naja, das klingt ja schon mal ein bisschen beruhigender. Manchmal hatte ich nämlich den Eindruck, dass man sich schon gleich am Anfang mit der „falschen“ Gestaltung rausschiessen kann. Also, am meisten Stress macht mir immer das Anschreiben, denn Formulieren ist wirklich nicht so mein Ding. Da gibt es ja auch Satzbausteine im Internet. Kann man die eigentlich einfach so nehmen? Das schreiben doch sicher alle ab und wirkt dann schon ziemlich einfallslos, oder? Irgendwie soll man ja wohl auch etwas mehr Kreativität zeigen. Ich will aber auch nicht mit einem zu überkandidelten Satz anfangen.

 

P. S.: Das Internet bietet eine ganze Menge an Vorlagen, die durchaus für die Erstellung der Unterlagen dienen können. Sie haben damit schon ein paar Anhaltspunkte, die dann aber passgenau und individuell auf Ihre Bedürfnisse angepasst werden müssen. Denn ganz ehrlich, als Personaler kenne ich diese Vorlagen auch und weiß „Ah, Musterbewerbungsschreiben von XY“ 😉. Wenn Sie z. B. eine Einleitung wie „Ihr Stellenangebot hat mich sehr angesprochen, weil …“  wählen, ist das grundsätzlich nicht verkehrt und gibt auch gleich die Möglichkeit zur Überleitung ins „Eingemachte“.

 

B. B.: Tja, das Eingemachte … Was soll ich überhaupt im Anschreiben groß erzählen? Man soll ja hier die Angaben des Lebenslaufs nicht noch einmal ausformuliert wiederholen, also bisherige Tätigkeiten bei welchem Arbeitgeber usw. Aber was soll ich sonst schreiben? Eigentlich steht ja alles im Lebenslauf, oder?

 

P. S.: Richtig, das Wichtigste steht im Lebenslauf, aber nicht, WARUM Sie sich ausgerechnet für diese Stelle und dieses Unternehmen interessieren. Warum wollen und können Sie diese Position ausüben? Was bringen Sie an Eigenschaften, Kompetenzen, Fähigkeiten und Qualifikationen dafür mit? Gibt es eine Position, in der Sie sich schon bewiesen haben und die sie beispielhaft dafür nennen möchten?

 

Im Anschreiben möchte ich als Personaler Ihre Motivation für die Bewerbung rauslesen, was interessiert Sie an der Stelle und dem Unternehmen. Ja ich weiß, Sie bewerben sich ganz viel und in meinen Trainings bekomme ich auch immer wieder gesagt, „keine Ahnung, warum das Unternehmen, hat halt gerade eine Stellenanzeige geschaltet“ ;-(. Das ist ungefähr so, wenn Sie einen Partner suchen und er sie fragt: was gefällt dir an mir und warum entscheidest du dich für mich? und Sie antworten: „es gab gerade niemand anderen“ Geht also gar nicht. Überlegen Sie mal aus Sicht des Unternehmens: Sie haben einen Arbeitsplatz zu vergeben, Sie sind bereit dafür Geld zu bezahlen und zu investieren, sie stellen Räumlichkeiten und Equipment zur Verfügung und Sie wünschen sich jemanden, dem es Freude macht mit Ihnen und für Sie zu arbeiten. Und jetzt Sie!

 

Ganz ehrlich, wenn Sie gut sein wollen und einen guten Job finden möchten, dann sollten Sie sich im Eigeninteresse darüber schon Gedanken machen, somit vermeiden Sie auch, dass es hinterher nicht das Richtige war und nur noch meckern übrigbleibt.

 

Das Anschreiben lässt sich ganz einfach formulieren, wenn Sie sich tatsächlich für die Stelle und das Unternehmen interessieren. Dann kommt nämlich das Individuelle ins Spiel. Sie brennen für diese Stelle: Warum, was gefällt Ihnen daran, warum wollen Sie diese Aufgaben erledigen, was bringen Sie dafür mit? Warum gerade dieses Unternehmen? Was gefällt Ihnen daran, was haben die Besonderes, ist es die Branche, das Produkt, die Nachhaltigkeit, das soziale Engagement…? Ganz banal gesagt:  formulieren Sie einen Liebesbrief und wandeln diesen anschließend sachlich um.

 

Kurz und knapp: Warum wollen Sie diese Stelle, warum in das Unternehmen und warum sind Sie die richtige Person für diese Stelle und das Unternehmen? 😉

 

B. B.: Ohje, gar nicht so einfach. Tatsächlich ist es ja im Regelfall so, dass ich mich um mehrere Stellen gleichzeitig bei verschiedenen Unternehmen bewerbe, die ich vielleicht ganz interessant finde … aber ein Liebesbrief, hm … und wenn ich jetzt auch nicht das absolute Power-Argument habe, warum die ausgerechnet mich nehmen sollten? Wie kann ich überzeugend argumentieren, dass ich der Top-Kandidat oder -Kandidatin bin, wenn ich mich eigentlich nur auf gut Glück bewerbe und mir auch eine ähnliche Stelle bei einem ganz anderen Unternehmen vorstellen könnte? Wirkt es nicht schleimig, wenn ich das Unternehmen zu sehr als das für mich einzig Wahre lobhudele? Merkt man es mir nicht an, dass ich mich genauso gut auch bei einem Konkurrenzunternehmen wohlfühlen würde?

 

P. S.: Jedes Unternehmen weiß, dass Sie sich auch anderweitig umschauen, es sei denn es ist eine Initiativbewerbung. Lobhudeln sollen Sie nicht, das merkt man sowieso dann spätestens sehr schnell im Gespräch, darum geht es auch nicht, sondern zu entscheiden, welche Stellen und Unternehmen sind interessant. Oder wollen Sie wirklich überall arbeiten?

 

Bevor Sie sich drauflos bewerben, sollten Sie sich über Folgendes im Klaren sein:

 

Suchen Sie irgendeine Stelle, Hauptsache etwas klappt - oder suchen Sie DIE Stelle? Und dementsprechend bereiten sie Ihre Bewerbungen auf, oberflächlich oder individuell. Für eine gute Bewerbung benötigen Sie 3-6 Stunden, für eine! Sie können auch in dieser Zeit 20 Bewerbungen fertigstellen und brauchen sich nicht wundern, wenn genauso viele Absagen zurückkommen. Weniger, aber gut vorbereitet, ist oft mehr, Sie werden sehen, das lohnt sich. Wenn Sie sich für DIE Stelle bewerben, ist es genau die Position, die Sie suchen, das Aufgabengebiet, das Sie ausüben möchten und dafür können Sie tatsächlich rüberbringen, was Sie auszeichnet.

 

Sie müssen ihre Stellensuche schon anders angehen. Nicht nach der Position oder Stellenbezeichnung suchen, sondern dazu auch nach den Anforderungen, die Sie erfüllen möchten und können. Das ist eine ganz andere Herangehensweise, setzt aber auch voraus, dass Sie wissen, wer Sie sind, was Sie wollen und können! Damit sollten Sie sich unbedingt vor der Stellensuche beschäftigen! Nutzen Sie dafür ruhig einen Coach, jemand Außenstehenden, denn der kann ihnen helfen, sich mit anderen Augen zu sehen, Ihre Stärken und Kompetenzen herausarbeiten und sich dann auch selbstbewusst präsentieren zu können. Das ist das größte Problem der meisten Bewerber. Wenn ich mich kenne, dann kann ich mich auch vorstellen.

 

 

Mit dieser Quintessenz endet hier der 1. Teil zum Thema Bewerbungsanschreiben. Aber Fragen gibt es noch genug: Was ist eigentlich, wenn man nur einen Teil der im Stellenangebot aufgeführten Anforderungen erfüllen kann? Warum Sie dann keinesfalls die Flinte ins Korn werfen sollten, wie Sie Ihren Kompetenzen auf die Spur kommen und einiges mehr erfahren Sie hier in 14 Tagen.

 

Haben Sie noch eine Frage oder möchten Sie Ihre Meinung oder Erfahrung mit uns teilen? Wir freuen uns über jedes Feedback und den Austausch mit Ihnen!

 

Petra Schreiber       und        Bettina Breese         

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