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Mit einem Selfie bewerben? Auf jeden Fall! - Teil 5

Mit einem Selfie bewerben? Auf jeden Fall!

 

Hier plaudert eine Personalerin aus dem Nähkästchen

 

Heute: Die optische Gestaltung und das Bewerbungsfoto

 

„Nur der Inhalt zählt“: so sympathisch diese Ansicht auch sein mag, relativiert wird sie von einer nicht zu leugnenden, sehr menschlichen Erkenntnis: „Das Auge isst mit“. Daher widmet sich Petra Schreiber zusammen mit Ihrer Teammitarbeiterin Bettina Breese nach den wichtigsten Fragen zum Inhalt heute den optischen Aspekten einer erfolgversprechenden Bewerbung.

 

B. B.: Wenn ich mir im Netz die zahlreichen Design-Vorlagen für Bewerbungsanschreiben, Lebenslauf und Deckblatt anschaue, frage ich mich schon, ob da nicht Blendern Tür und Tor geöffnet wird. Im Zeitalter der Schreibmaschine genügte ein „ordentliches“ Layout, meistens gab es nur den üblichen Einheitsschrifttyp, Übersichtlichkeit schaffte man mit Absätzen und Einrückungen, aber großartig Designen war nicht drin. Es wurde höchstens noch diskutiert, ob man das Bewerbungsfoto mit Uhu oder Fotoecken aufklebt – das war’s. Mittlerweile kann sich ja jeder nach Lust und Laune als Graphikdesigner austoben. Das ist einerseits super für alle, die daran Spaß haben, andererseits halte ich es für unfair, wenn allein das Styling schon in den ersten Sekunden über Daumen hoch oder runter entscheidet. Denn ehrlich gesagt, denke ich ja selbst bei einem Wow-Design und super professionellen Porträtfotos ganz automatisch, der oder die hat anscheinend echt was drauf. Können Personaler bei einem glänzenden Auftritt objektiv bleiben? Oder wirkt sogar Schlichtheit sympathischer?

 

P. S.: Wie mit allem, würde ich auch hier sagen, weniger ist mehr und das wirkt dann auch edler und professioneller. Die Optik spielt eine Rolle insofern, ob das Design ansprechend und stimmig ist. Viel Design-Tamm beeindruckt weniger und ist manchmal auch echt übertrieben und nicht schön anzusehen (sagt dann aber auch etwas über den Bewerber aus!). Es geht um den Inhalt, der nett verpackt werden darf 😉. Ausgenommen sind natürlich Bewerbungen von Designern, die mit Ihrer Bewerbung schon die erste Arbeitsprobe abliefern. Bei einer Bewerbung, die versandt wird, ist insofern auch wichtig, dass sie ordentlich ist, keine Flecken hat, nicht unangenehm riecht (es interessiert weniger, was es zum Essen gab und welche Zigarettenmarke geraucht wird).

Nicht vergessen werden sollte, dass die Unterlagen tatsächlich der erste Eindruck sind und natürlich macht sich ein Personaler Gedanken darüber wie viel Mühe sich jemand mit den Bewerbungsunterlagen, was Optik und Inhalt angeht, gegeben hat oder ist es einfach nur schnell dahin „gehuschelt“. Und ja, wir sind alle nur Menschen, die perfekte Präsentation hinterlässt einen positiven Eindruck und heute kann wirklich jeder günstig und mit allen Mitteln, die das Internet hergibt, eine vernünftige Bewerbung erstellen. Ansonsten helfen wir da auch gerne weiter 😉

 

B. B.: Gibt es ein No-Go bei Bewerbungsordnern? Ich meine, Schnellhefter mit jedem Blatt in einer Plastikhülle war ja mal normal, dann hieß es irgendwann: bloß nicht, wer was auf sich hielt, leistete sich die teureren Bewerbungsmappen aus edlem Karton, daneben sind aber auch Plastikklemmordner in hippen Farben beliebt.

 

P. S.: Was immer noch Gültigkeit hat, wenn es um schriftliche Bewerbungen per Post geht, sind dreiteilige Bewerbungsmappen / Klemmmappen aus hochwertigem Karton, die es in unterschiedlichen Farben gibt. Bei Plastikmappen muss man ja nun auch vorsichtig sein 😉, die waren zwar insofern gut, dass nicht gleich Fettfinger auf der Mappe zu sehen waren. Da heute viel online geschickt wird, entfällt die Mappe ohnehin.

 

B. B: Das Deckblatt: ist es ein Pluspunkt oder überflüssig? Und was sollte draufstehen?

 

P. S.: Deckblatt kann – muss aber nicht. Das ist einfach eine Frage der „Schönheit“ und wenn es genutzt wird, dann kann das Bild in entsprechender Größe, mind. 6 x 4 cm, und die Kontaktdaten darauf platziert werden, ggfs. die Position, für die man sich bewirbt. Eine „Regel“ dafür gibt es jedoch nicht.

Das Deckblatt kann folgende Informationen beinhalten, Ihrer Phantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt:

  • Als was Sie sich bewerben, z. B.: Bewerbung als Sachbearbeiter Finanzbuchhaltung oder als Leiter Rechnungswesen
  • Ihre Kontaktdaten: Präsentieren Sie sich mit einem ausdrucksstarken Lichtbild, Ihrer Adresse, Telefonnummer, falls vorhanden Faxnummer und E-Mail-Adresse.

 

B. B: Reicht das übliche Druckerpapier oder etwas sollte man sich ein dickeres, edleres Material leisten?

 

P. S.: Verwenden Sie kein 08/15-Kopierpapier, sondern hochwertiges Papier mit einer Grammatur von mindestens 90g/m2, besser noch 100g/m². Und benutzen Sie kein graues Umweltschutzpapier, es sei denn es handelt sich um eine ökologische Einrichtung. Experimentieren Sie ruhig mal mit hellen Beige- oder Grau-Tönen.

 

B. B.: Das Bewerbungsfoto ist für manche ein lästiges Übel, für andere ein echt großes Ding und überhaupt das Interessanteste an der ganzen Bewerbungsaktion. Allgemein ist ja bekannt, dass ein Foto vom Automaten keine gute Idee ist. Also ab zum Fotografen. Bei „normalen“ Porträtaufnahmen ist üblicherweise kein Termin notwendig, anders sieht es mit speziellen maßgeschneiderten Shootings aus. Vorher gibt es ja das eine oder andere zu überlegen: Was ziehe ich an? Frisur? Bart? Make-up? Schmuck und andere Accessoires? Mit oder ohne Brille? Gibt es Pluspunkte für Ganzkörperaufnahmen mit cooler Pose oder reicht auch nur der Fokus auf das Gesicht? Outdoor- Aufnahme bei einem Bürojob, geht das? Gibt‘s beim Gesichtsausdruck etwas Besonderes zu beachten, geht z. B. auch ernst-entschlossen oder besser immer nur lächeln? Ist ein bisschen Tuning am Foto sinnvoll?

 

P. S.: Das Bewerbungsfoto hat eine enorme Aussagekraft, die nicht zu unterschätzen ist und daher auch entsprechend eingesetzt werden sollte. Der erste Eindruck, sympathisch oder nicht sympathisch!? International wird zwar kein Foto mitgeschickt, in Deutschland ist es noch an der Tagessordnung und ich persönlich finde das auch gut. Hier haben Sie als Bewerber*in die Möglichkeit sich freundlich und professionell zu präsentieren. Ja, ein Lächeln sollte sein, das bringt schon Freundlichkeit und Fröhlichkeit rüber und spricht mehr an als ein ernster und starrer Gesichtsausdruck 😉. Grundsätzlich ein Bild vom Fotografen (Bewerbungsfoto oder Businessfoto), ordentlich angezogen, dem Business entsprechend. Das kann z. B. einmal mit und einmal ohne Jacket sein, so können Sie entscheiden, welches Bild für welchen Arbeitgeber und Branche passt.

Eine ordentliche Frisur ist natürlich ein Muss, dezentes Make-up bei den Damen und sparsam mit Schmuck und Accessoires umgehen, nach dem Motto „weniger ist mehr“. Ob mit oder ohne Brille? Wenn Sie Brillenträger*in sind, dann dürfen Sie ruhig Ihre Brille auflassen, wenn Ihnen das Bild „ohne“ besser zusagt, dann ohne. Die Brille wird nicht ausschlaggebend sein 😉 . Natürliche Fotos und Gesten kommen immer sympathischer rüber als gestelztes und aufgesetztes Gehabe. Spannend ist ja auch immer für den Interviewer ob der Eindruck der Unterlagen und des Bildes im Gespräch dann auch bestätigt wird. Ist das der Fall, haben Sie sich perfekt präsentiert vor allem authentisch dargestellt. Das kommt immer gut an. In der Regel ist ein Portraitbild völlig ausreichend, es muss kein Ganzkörperbild sein, ob in Farbe oder Schwarz/Weiß, das bleibt Ihnen überlassen. Beides ist schön und gut. Lassen Sie sich nicht die Schädeldecke abschneiden vom Fotografen und Bilder mit verschränkten Armen sind auch nicht so toll und wirken manchmal zu hart oder herausfordernd. Das Bild sollte widerspiegeln, wer und wie Sie sind, dann ist es gelungen und beim Gegenüber gibt es eben keinen Aha-Effekt, wenn Sie sich zum ersten Gespräch treffen.

 

B. B.: Welche Größe ist ratsam? Wo platziere ich das Bild: die klassische Variante rechts oben auf den Lebenslauf oder ein schön großes Exemplar auf das Deckblatt? Und jetzt wirklich noch einmal die alte Frage: Uhu oder Fotoecken? Werden überhaupt noch „richtige“ Fotos erwartet oder reicht auch ein guter Print vom Drucker?

 

P. S.: Das Bild sollte schon eine Größe haben, die Sie auch gut präsentiert. Also 6 x 4 cm sind eine gute Größe, auf dem Deckblatt kann es ggfs. auch größer sein. Ob oben rechts oder links oder in der Mitte, Sie dürfen kreativ sein, solange es gut wirkt. Da es für Bewerbungen keine Norm gibt, schauen Sie, wie es optisch am besten passt. In der Regel sind die Fotos meistens oben rechts platziert.

Heute werden keine Bilder mehr eingeklebt, das ist viel zu teuer, zumal es Unternehmen ja z.T. nicht mal schaffen, die Unterlagen zurückzusenden. Grundsätzlich würde ich das Bild nur als Datei nutzen und es reicht zwei Bilder zum Wechseln zu haben, d.h. eines mit einem etwas professionellerem Outfit und eines etwas abgeschwächter, wenn es um einen Arbeitgeber geht, bei dem kein offizielles Business-Outfit (Anzug/Kostüm) notwendig ist.

 

Grundsätzlich sollte man am Bewerbungsbild nicht sparen, es gibt Ihrer Bewerbung im wahrsten Sinne des Wortes „ein Gesicht“.

Für arbeitslose Bewerber/-innen übernimmt die Arbeitsagentur die Kosten für professionelle Fotoaufnahmen.

 

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Bettina Breese          und     Petra Schreiber

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