Der Schatz, der in uns ruht, ist die Motivation, unser Bestes zu geben
Impulse aus der Praxis für die Praxis
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„Ich weiß gar nicht mehr, was mich antreibt", sagte mir neulich eine Klientin, eine erfolgreiche Projektleiterin Mitte 40. „Früher hatte ich diese Energie, diese Begeisterung. Jetzt fühle ich mich nur noch müde und leer." Ihre Worte sind stellvertretend für viele Menschen, die ich in meiner Arbeit als Karriereberaterin und Stress- & Burnout-Coach begleite.
Der vergrabene Schatz
Stellen Sie sich vor, Sie besitzen einen wertvollen Schatz, doch er liegt tief vergraben unter Schichten von To-do-Listen, Erwartungen anderer und gesellschaftlichen Sollvorstellungen. Genau das
passiert mit unserer inneren Motivation im hektischen Berufsalltag. Sie verschwindet nicht – sie wird nur überlagert.
Der Schatz, von dem dieser Aphorismus spricht, ist nicht irgendetwas Abstraktes. Es ist Ihre ganz persönliche Quelle der Kraft: Ihre Werte, Ihre Talente, das, was Sie wirklich
erfüllt. Und dieser Schatz ist der Schlüssel zu nachhaltiger Leistungsfähigkeit ohne Burnout.
Der Unterschied zwischen äußerem Antrieb und innerem Feuer
Im Berufsalltag erlebe ich oft Menschen, die von außen getrieben werden: durch Deadlines, Zielvorgaben, Erwartungen des Chefs oder den Vergleich mit Kollegen. Das ist extrinsische Motivation –
sie funktioniert kurzfristig, kostet aber enorm viel Energie und führt langfristig in die Erschöpfung.
Ein Beispiel aus der Praxis: Thomas, ein Vertriebsleiter, arbeitete 60-Stunden-Wochen, weil er der Beste sein wollte – aus Angst vor Versagen und um Anerkennung zu bekommen. Er war äußerlich erfolgreich, innerlich ausgebrannt. Erst als wir gemeinsam seinen „Schatz" ausgruben – seine Begeisterung für Kundenbeziehungen und sein Talent, Menschen zu entwickeln – fand er zu einer neuen, nachhaltigen Arbeitsweise.
Die intrinsische Motivation hingegen – der Schatz in uns – ist eine unerschöpfliche Energiequelle. Sie entsteht, wenn wir tun, was uns wirklich wichtig ist, wenn wir unsere Stärken einsetzen und Sinn in unserer Arbeit erleben.
Warum wir den Zugang zu unserem Schatz verlieren
In der Hektik des Alltags verlieren wir oft den Kontakt zu unserer inneren Motivation. Die Warnsignale sind deutlich:
- Sie schleppen sich morgens zur Arbeit, statt mit Vorfreude zu starten
- Nichts fühlt sich mehr wirklich befriedigend an, selbst wenn Sie Erfolge feiern
- Sie funktionieren nur noch, statt zu gestalten
- Die Erschöpfung ist nicht mehr nur körperlich, sondern emotional
Diese Symptome sind nicht Ihre Schwäche – sie sind Hinweise darauf, dass Sie den Kontakt zu Ihrem inneren Schatz verloren haben.
Den Schatz wieder freilegen: Praktische Schritte
1. Die Schatzsuche beginnen
Nehmen Sie sich jeden Abend fünf Minuten Zeit für diese Fragen:
- Wann hatte ich heute ein Gefühl von Energie und Lebendigkeit?
- Was habe ich getan, als die Zeit wie im Flug verging?
- Welcher Moment hat sich heute sinnvoll angefühlt?
Praxisbeispiel: Sabine, eine Abteilungsleiterin, stellte fest, dass sie sich lebendig fühlte, wenn sie Kolleginnen mentorte – nicht bei strategischen Meetings. Diese Erkenntnis half ihr, ihre Rolle neu zu gestalten.
2. Werte-Check im Berufsalltag
Listen Sie Ihre fünf wichtigsten beruflichen Werte auf (z. B. Kreativität, Autonomie, Teamgeist, Wachstum, Hilfsbereitschaft). Markieren Sie dann in Ihrem Kalender für eine Woche, welche
Aktivitäten mit diesen Werten übereinstimmen.
Die schmerzhafte Wahrheit: Viele meiner Klienten entdecken, dass weniger als 30 % ihrer Arbeitszeit mit ihren Kernwerten übereinstimmt. Kein Wunder, dass die Motivation schwindet!
3. Kleine Schatzkammern im Alltag einbauen
Sie können nicht immer Ihren Job komplett verändern. Aber Sie können bewusst Inseln schaffen:
- Die 15-Minuten-Regel: Planen Sie täglich 15 Minuten für eine Tätigkeit ein, die Sie wirklich erfüllt – sei es ein kreatives Projekt, ein inspirierendes Gespräch oder eine neue Fähigkeit, die Sie entwickeln.
- Die Stärken-Strategie: Identifizieren Sie eine Ihrer Kernstärken und überlegen Sie, wie Sie diese in den nächsten zwei Wochen bewusst einsetzen können.
Konkrete Umsetzung: Martin, ein Controller, hasste seinen Job, bis er entdeckte, dass seine Stärke im Erkennen von Mustern lag. Er begann, diese Fähigkeit zu nutzen, um dem Vertriebsteam strategische Insights zu liefern. Plötzlich fühlte sich seine Arbeit bedeutsam an.
4. Die Sinn-Verbindung herstellen
Fragen Sie sich: „Wem nützt meine Arbeit?“ „Welchen Unterschied macht das, was ich tue?" Selbst vermeintlich monotone Tätigkeiten bekommen Bedeutung, wenn wir die Verbindung zum größeren Ganzen
sehen.
Praxisbeispiel: Eine Sachbearbeiterin in der Versicherungsbranche fand neue Motivation, als sie sich bewusst machte, dass sie Menschen in Krisensituationen hilft – statt „nur Formulare zu bearbeiten".
Der Schatz als Burnout-Prävention
Der Zugang zu unserem inneren Schatz ist die wirksamste Burnout-Prävention, die ich kenne. Warum? Weil intrinsische Motivation uns Energie gibt, statt sie zu rauben. Sie macht uns resilient, weil
wir aus eigenem Antrieb handeln, nicht aus Angst oder Pflichtgefühl.
Die Burnout-Falle: Wer nur fremdgesteuert arbeitet, befindet sich in einem Hamsterrad. Mehr Leistung führt nicht zu mehr Erfüllung, sondern zu mehr Erschöpfung. Der innere Tank leert sich schneller, als er gefüllt werden kann.
Der Schatz-Effekt: Wer aus innerer Motivation handelt, tankt Energie aus der Tätigkeit selbst. Die Arbeit wird vom Energie-Räuber zum Energie-Spender.
Unser Bestes geben – aber richtig
„Unser Bestes zu geben" bedeutet nicht, sich zu verausgaben. Es bedeutet, authentisch zu sein, unsere einzigartigen Talente einzusetzen und in Übereinstimmung mit unseren Werten zu handeln.
Voraussetzung: Sie sollten sich Ihrer Werte und Talente bewusst sein oder daran arbeiten, sie bewusst zu machen.
Die Perfektionismus-Falle vermeiden: Viele erschöpfte Menschen geben ihr Bestes – aber für die falschen Dinge oder auf die falsche Weise. Sie versuchen, in Bereichen zu
brillieren, die nicht ihren Stärken entsprechen, oder sie opfern sich für Ziele auf, die nicht ihre eigenen sind.
Der Schatz-Kompass: Ihr innerer Schatz ist Ihr Kompass. Er zeigt Ihnen, wo Ihr „Bestes" wirklich liegt. Und das ist oft woanders, als Sie dachten.
Integration in den Alltag: Der 30-Tage-Plan
Woche 1: Bewusstsein schaffen
- Führen Sie ein Energie-Tagebuch: Was gibt Energie, was raubt sie?
- Notieren Sie Momente, in denen Sie „im Flow" waren
Woche 2: Muster erkennen
- Analysieren Sie Ihre Notizen: Welche Themen tauchen wiederholt auf?
- Identifizieren Sie Ihre Top-3-Stärken und Top-3-Werte
Woche 3: Kleine Veränderungen
- Bauen Sie täglich 15 Minuten „Schatzzeit" ein
- Delegieren oder reduzieren Sie eine Aufgabe, die nicht zu Ihren Stärken passt
Woche 4: Gespräche führen
- Sprechen Sie mit Ihrer Führungskraft über Möglichkeiten, mehr stärkenorientiert zu arbeiten
- Tauschen Sie sich mit Kollegen über gegenseitige Stärken aus – vielleicht können Sie Aufgaben neu verteilen
Ein Wort zum Schluss
Der Schatz in Ihnen wartet darauf, gehoben zu werden. Er ist nicht verloren gegangen – er liegt nur unter den vielen Schichten des Alltags verborgen. Die gute Nachricht: Sie müssen ihn nicht
suchen gehen wie ein Schatzjäger auf einer fernen Insel. Er ist hier, in Ihnen, jetzt.
Es braucht nur den Mut, innezuhalten, hinzuspüren und ehrlich zu sich selbst zu sein. Was bewegt Sie wirklich? Was lässt Ihr Herz schneller schlagen? Wo spüren Sie, dass Sie wachsen und sich
lebendig fühlen?
Diese Fragen sind nicht esoterisch oder weltfremd – sie sind essenziell für Ihre berufliche Gesundheit und Ihr langfristiges Wohlbefinden. Denn Ihr Bestes können Sie nur geben, wenn Sie
wissen, was Ihr Bestes ist.
Beginnen Sie heute. Nicht morgen, wenn es ruhiger ist (es wird nie ruhiger sein). Heute. Mit einer einzigen Frage: Was in meiner Arbeit heute hat sich nach „meinem Schatz" angefühlt?
Die Antwort ist der erste Schritt auf einem Weg, der Sie von fremdgesteuerter Erschöpfung zu selbstbestimmter Erfüllung führt.
Petra Schreiber
Ihre Karriereberatung – weil Ihr Erfolg nicht auf Kosten Ihrer Gesundheit gehen sollte.
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