Das Prinzip der bewussten Entscheidung
In einer Welt, die uns ständig suggeriert, wir müssten alles unter einen Hut bringen – Familie, Karriere, Gesundheit, soziales Leben, persönliche Weiterentwicklung – verlieren wir oft aus den Augen, was wirklich zählt: die Qualität unserer Entscheidungen.
Multitasking gilt als erstrebenswert, ständige Erreichbarkeit als selbstverständlich, und wer nicht überall mitmischt, scheint etwas zu verpassen. Doch Hand aufs Herz: Wie oft fühlen Sie sich am Ende eines vollgepackten Tages erschöpft, ohne wirklich etwas Wesentliches erreicht zu haben?
Das Prinzip der bewussten Entscheidung ist eine Gegenbewegung zu dieser Haltlosigkeit. Es geht darum, bewusst zu wählen, wo Sie Ihre Energie investieren – und wo nicht. Es geht um Klarheit statt Verzettelung. Um Tiefe statt Oberflächlichkeit. Um echte Präsenz statt permanenter Halbherzigkeit.
Was das für Sie bedeutet: Sie müssen nicht in allem gut sein. Sie müssen nicht überall dabei sein. Sie müssen nicht jeden Trend mitmachen. Was Sie aber brauchen, ist der Mut, bewusste Entscheidungen zu treffen – für das eine und gegen das andere. Und genau dabei möchte ich Sie mit den folgenden Impulsen unterstützen.
Kommunikation: Verschieben Sie wichtige Gespräche, statt nur mit halbem Ohr zuzuhören
Im beruflichen Kontext: "Haben Sie schon einmal in einem Meeting gesessen und parallel E-Mails beantwortet – nur um dann festzustellen, dass Sie eine wichtige Entscheidung verpasst haben? „Oder Sie haben ein Telefonat geführt, während Sie am Bildschirm etwas anderes bearbeitet haben, und Ihr Gesprächspartner musste seine Frage wiederholen?"
Im Alltagskontext: "Kennen Sie das: Ihr Partner erzählt Ihnen von seinem Tag, während Sie gedanklich schon die To-do-Liste für morgen durchgehen – und plötzlich werden Sie gefragt: "Hast du mir überhaupt zugehört?‘ –Im Unangenehme Stille."
Im Technologie-Kontext: "Wann haben Sie das letzte Mal ein wichtiges Gespräch geführt, ohne dabei Ihr Smartphone in Sichtweite zu haben? Die meisten von uns können sich nicht erinnern. Jede Benachrichtigung reißt uns aus dem Gespräch – und unser Gegenüber spürt das sofort."
Im Körpersprache-Kontext: "Achten Sie einmal darauf, was mit Ihrer Körperhaltung passiert, wenn Sie wirklich interessiert zuhören: Sie lehnen sich vor, halten Blickkontakt, nicken. Und jetzt vergleichen Sie das mit einem Gespräch, bei dem Sie innerlich schon beim nächsten Termin sind – Ihr Körper verrät Sie."
Im Meeting-Kontext: "Haben Sie schon einmal gezählt, wie viele Menschen in einem Meeting auf ihre Laptops starren, statt zuzuhören? Wir alle wissen: Echte Gespräche entstehen nur dort, wo echte Aufmerksamkeit ist."
Qualitätsvolle Gespräche brauchen Ihre ungeteilte Aufmerksamkeit. Fehlt diese Konzentration, funktioniert Kommunikation nicht mehr – weder beruflich noch privat. Das Zauberwort heißt Selektion:
Meine Empfehlung für Sie:
- Wenn Sie merken, dass Sie bei einem Gespräch unkonzentriert sind, weil Sie es für unwichtig halten, kürzen Sie es radikal ab oder streichen Sie es gleich ganz. Ihre Zeit ist wertvoll.
- Wichtige Gespräche hingegen verdienen einen bewussten Rahmen. Verschieben Sie sie auf einen Zeitpunkt, an dem Sie mental wirklich verfügbar sind: „Das Thema ist mir wichtig. Können wir das heute Nachmittag in Ruhe besprechen?"
- Oder treffen Sie eine bewusste Entscheidung: Jetzt lasse ich mich ganz auf dieses Gespräch ein – mit allen Konsequenzen. Schließen Sie die Tür, legen Sie das Smartphone zur Seite, und signalisieren Sie Ihrem Gegenüber: Du hast jetzt meine volle Aufmerksamkeit.
Diese Form der achtsamen Kommunikation wird nicht nur Ihre Beziehungen vertiefen – sie spart Ihnen auch Zeit, weil Missverständnisse vermieden und Themen wirklich geklärt werden.
Fähigkeiten: Bauen Sie Ihre Stärken aus, statt überall „multifunktional" zu schwächeln
In der Selbstmanagement-Literatur und in Persönlichkeitsmodellen lesen wir es immer wieder: Wir Menschen sind verschieden. Dennoch fällt es uns zunehmend schwer zuzugeben, dass es Bereiche gibt, in denen wir einfach nicht brillieren.
Der Mythos vom multifunktionalen Menschen hält sich hartnäckig – obwohl Sie aus Ihrem Alltag längst wissen: Der große Ideengenerator ist selten auch der präzise Umsetzer. Es gibt Menschen, die Sport einfach nicht mögen. Und während der eine selbst den Inuit Kühlschränke verkaufen könnte, würde der andere dort nicht einmal Handschuhe an den Mann bringen.
Meine Empfehlung für Sie:
- Identifizieren Sie Ihre wirklichen Stärken – und zwar nicht oberflächlich, sondern ehrlich und tiefgehend. Was können Sie so gut, dass andere Sie darum beneiden? Wo verlieren Sie sich in einer Aufgabe und vergessen die Zeit? Welche Erfolge haben Sie erreicht, auf die Sie besonders stolz sind? Dort liegt Ihr Potenzial.
- Konzentrieren Sie sich konsequent auf diese Stärken. Werden Sie dort nicht nur gut, sondern außergewöhnlich. Das ist es, was Sie von anderen unterscheidet und was Ihren echten Wert ausmacht – beruflich wie persönlich.
- Versuchen Sie - soweit möglich –, gezielt solche Projekte und Aufgaben zu übernehmen, die Ihren Stärken entsprechen. Positionieren Sie sich entsprechend, kommunizieren Sie klar, wofür Sie stehen.
- Und hier kommt der entscheidende Punkt: Geben Sie die anderen Bereiche bereitwillig ab. Suchen Sie sich gezielt Mitarbeiter, Partner und Kooperationspartner, die Sie ergänzen – Menschen, die dort ihre Stärken haben, wo Sie Ihre Schwächen haben. Das ist keine Schwäche, sondern strategische Intelligenz.
In einer Welt, die uns ständig suggeriert, wir müssten in allem gut sein, ist es ein Akt der Selbstführung, sich auf das zu konzentrieren, was man wirklich kann. Und es ist ein Zeichen von Reife, andere dort strahlen zu lassen, wo sie besser sind als wir.
Ziele: Realistische Meilensteine statt überambitionierter Wunschlisten
Die meisten Vorhaben scheitern daran, dass wir uns zu viel vornehmen. Kennen Sie das? Sie hören einen inspirierenden Vortrag, lesen ein motivierendes Buch oder beobachten jemanden, der es „geschafft" hat – und plötzlich wollen auch Sie alles anders machen. Ab morgen: regelmäßig Sport treiben, die Ernährung umstellen, abends früher nach Hause kommen, die Internetspiele oder allabendlichen Fernsehabende kippen, das Büro gründlich aufräumen...
Solche Vorhaben haben wenig Chance auf Verwirklichung. Warum? Weil es keine klaren, messbaren Vorgaben gibt und damit auch keine realistische Zielstrecke, auf die Sie sich konzentrieren könnten. In dem Maße, in dem der Nebel des anfänglichen Enthusiasmus sich auflöst, verschwindet auch das Vorhaben – zurück bleibt nur ein schales Gefühl des Scheiterns.
Meine Empfehlung für Sie:
- Formulieren Sie nur solche Ziele, an deren Erreichung Sie ein wirkliches, intrinsisches Interesse haben – und zwar: Sie selbst. Nicht Ihr Lebenspartner, nicht Ihre Arbeitskollegen, nicht gesellschaftliche Erwartungen. Wenn Sie ehrlich zu sich sind und merken, dass ein Ziel nicht wirklich Ihres ist, streichen Sie es aus Ihrem Leben. Ganz oder zumindest temporär. Das ist keine Aufgabe, sondern Befreiung. Es ist besser, diese Ziele loszulassen, als sie frustriert mitzuschleppen.
- Machen Sie den Realitätscheck: Auch bei der Umsetzung ist die Frage nach dem Machbaren der entscheidende Maßstab. Wenn beispielsweise nur ein morgendlicher Sporttermin in Ihr Leben passt, hat es keinen Sinn, von drei Trainingseinheiten pro Woche zu träumen. Konzentrieren Sie sich darauf, diesen einen Termin dauerhaft durchzuhalten – das ist mehr wert als drei geplante und null umgesetzte Termine.
- Setzen Sie auf kleine, aber nachhaltige Veränderungen: Zweimal die Woche pünktlich zum Abendessen nach Hause zu kommen (und nicht jeden Tag). Oder zwei feste Leseabende einzurichten, an denen Sie wirklich offline sind. Diese kleinen, aber konsequent durchgehaltenen Schritte summieren sich zu großen Veränderungen.
- Formulieren Sie Ihre Ziele SMART: Spezifisch, Messbar, Attraktiv, Realistisch und Terminiert. „Mehr Sport" ist kein Ziel – „Jeden Dienstagmorgen um 7 Uhr eine Stunde joggen“ schon.
Der Schlüssel liegt nicht in der Größe Ihrer Ambitionen, sondern in der Konsequenz Ihrer Umsetzung. Ein kleines Ziel, das Sie erreichen, stärkt Ihr Selbstvertrauen und schafft Momentum für das nächste. Eine lange Liste großartiger Vorhaben, die Sie nicht umsetzen, frustriert nur und schwächt Ihre Selbstwirksamkeit.
To-dos: Sortieren Sie radikal aus, statt alles nur halb zu machen
Ihr Terminplan platzt aus allen Nähten, auf Ihrem Schreibtisch stapeln sich die Aufgaben, und für das nächste Wochenende hatten Sie Ihrer Familie den Zoobesuch versprochen, den Sie eigentlich jetzt schon absagen könnten? Wie Zeitexperte Lothar Seiwert sagt: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam."
Meine Empfehlung:
- Nehmen Sie sich 1–2 Stunden Zeit für die Planung der nächsten Wochen
- Erstellen Sie für Ihre wichtigsten Ziele je eine Liste mit den nötigen Aktivitäten
- Reservieren Sie feste Zeitblöcke in Ihrem Planer
- Erstellen Sie eine To-do-Liste mit allem anderen – das arbeiten Sie nebenbei ab
Wiederholen Sie das auch für maximal fünf private Ziele. Streichen Sie dafür liebgewonnene Gewohnheiten – zumindest vorübergehend.
Optimierungen: Investieren Sie Zeit, statt sich dauernd zu ärgern
Wann haben Sie sich das letzte Mal über einen umständlichen Prozess geärgert – und dann doch nichts daran geändert? „Dafür habe ich jetzt keine Zeit", denken wir. Dabei kostet uns genau diese Haltung langfristig am meisten.
Stephen Covey bringt es auf den Punkt: „Die wichtigsten Dinge dürfen niemals den unwichtigen untergeordnet werden". Und doch tun wir genau das, wenn wir keine Zeit für Optimierungen finden.
Das Paradox der Organisation: Wer keine Zeit hat aufzuräumen, verliert täglich Zeit beim Suchen. Wer keine Zeit hat, Prozesse zu optimieren, verschwendet sie bei jedem Arbeitsschritt. Die Frage ist nicht, ob Sie sich Zeit nehmen können – sondern ob Sie es sich leisten können, es nicht zu tun.
Meine Empfehlung:
- Arbeiten Sie mit einem unpraktischen Formular? Legen Sie ein neues an!
- Nutzen Sie Software-Funktionen nicht? Machen Sie sich damit vertraut!
- Größere Optimierungen planen Sie, indem Sie sie in Einzelschritte zerlegen: Papierablage neu sortieren, Dateien löschen, Unnötiges aussortieren, Korrespondenz abarbeiten, Adressen aktualisieren.
Lektüre: Lesen Sie gezielt oder gar nicht
Unkonzentriertes Lesen ist eine fatale und weitverbreitete Zeitverschwendung. Lesen Sie manchmal auch, nur um etwas gelesen zu haben – ohne wirklichen Informationsgewinn?
Meine Empfehlung: Lesen Sie richtig und konzentriert – oder gar nicht. Keine Sorge: Durch Nichtlesen verpassen Sie kaum mehr als beim unkonzentrierten Lesen. Sie sparen nur Zeit. Betrachten Sie Lesen nicht als Ziel, sondern als Mittel zum Zweck: Ihr Vorhaben ist nicht, diesen Fachartikel zu lesen, sondern mittels dieser Lektüre Informationen zu sammeln, Zusammenhänge zu verstehen Wissen hinzuzugewinnen.
Fernsehen: Genießen Sie konzentriert, statt lustlos zu zappen
Durch Werbepausen, Zapping und zwischdurch Handy checken verkommen die Sehgewohnheiten. Wann haben Sie sich das letzte Mal gegönnt, einen Film konzentriert zu sehen – ohne Unterbrechungen und Nebenbeschäftigungen?
Meine Empfehlung: Legen Sie sich eine Filmsammlung an, die Sie dann sehen, wenn Sie wirklich Zeit haben. Oder ersetzen Sie Fernsehabende durch Kinobesuche – dort können Sie das Medium genießen, das wie kein anderes die Sinne erreicht.
Das Prinzip der bewussten Entscheidung ist kein Verzicht, sondern eine Befreiung: Sie gewinnen Raum für das, was wirklich zählt.
Beginnen Sie heute mit einer einzigen bewussten Entscheidung – und erleben Sie, wie sich Ihre Energie und Ihre Ergebnisse verändern.
Ihre Petra Schreiber
Karriereberatung & Stressmanagement
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