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Verzeihen ist Stärke – nicht Schwäche

Verzeihen ist Stärke – nicht Schwäche

„Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken."

 

Als ich heute Morgen dieses Zitat von Mahatma Gandhi in meinem Achtsamkeitskalender las, musste ich unwillkürlich an viele Coaching-Gespräche denken. Denn genau dieses Thema begegnet mir immer wieder – oft als unsichtbare Blockade, die Menschen in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung festhält.

 

Wenn Verbissenheit zur Last wird

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie an einem Konflikt festhalten, an einer Ungerechtigkeit, die Ihnen widerfahren ist? Wenn Sie gedanklich immer wieder dieselbe Situation durchspielen, die gleichen Argumente formulieren, die gleiche Wut spüren?

In meinen Coachings erlebe ich häufig Menschen, die in dieser Verbissenheit gefangen sind. Sie halten fest – an verletzenden Worten des Vorgesetzten, an der Ungerechtigkeit bei der letzten Beförderungsrunde, an dem Vertrauensbruch durch Kollegen. Und mit jedem Tag, an dem sie nicht verzeihen, tragen sie diese Last weiter mit sich herum.

 

Die Verwechslung von Stärke und Härte

Viele meiner Klienten glauben zunächst, dass Festhalten an Groll eine Form von Stärke sei. „Ich lasse mir das nicht gefallen", „Das darf man nicht einfach so hinnehmen", „Wenn ich jetzt verzeihe, bin ich doch schwach" – solche Sätze höre ich oft.

Doch Gandhi bringt es auf den Punkt: Genau das Gegenteil ist wahr.

Verzeihen erfordert echte innere Stärke. Es braucht Mut, sich von der Opferrolle zu lösen. Es erfordert Selbstbewusstsein, zu erkennen, dass das Festhalten am Groll uns selbst mehr schadet als dem anderen. Und es braucht die Reife zu verstehen, dass Verzeihen nicht bedeutet, das Geschehene gutzuheißen.

 

Verzeihen heißt nicht vergessen

Ein wichtiger Punkt, den wir im Coaching immer wieder klären: Verzeihen bedeutet nicht, dass Sie das Geschehene vergessen oder für richtig befinden müssen. Es bedeutet auch nicht, dass Sie sich erneut in eine verletzende Situation begeben sollten.

Verzeihen bedeutet vielmehr: Ich lasse los, was mich bindet. Ich entscheide mich dafür, meine Energie nicht länger in diesen alten Schmerz zu investieren, sondern in meine Zukunft.

 

Die Last, die wir mit uns tragen

Was ich in meiner Arbeit als Karriereberaterin und Coach immer wieder beobachte: Unverarbeitete Konflikte und mangelnde Vergebung blockieren uns auf vielfältige Weise:

  • Sie kosten uns Energie, die wir für unsere Ziele bräuchten
  • Sie färben unsere Wahrnehmung neuer Situationen negativ ein
  • Sie belasten unsere aktuellen Beziehungen
  • Sie halten uns in einer Opferhaltung gefangen
  • Sie verhindern, dass wir uns weiterentwickeln können

Und – was viele überrascht – sie können sich auch auf unsere körperliche Gesundheit auswirken. Als Hautmentorin sehe ich immer wieder, wie ungelöste emotionale Konflikte sich buchstäblich auf der Haut zeigen.

 

Der Weg zum Verzeihen

Verzeihen ist ein Prozess, keine Entscheidung, die man von heute auf morgen trifft. In meinen Coachings arbeiten wir Schritt für Schritt daran:

  • Anerkennen, was war – ohne zu beschönigen
  • Verstehen, welche Last das Festhalten bedeutet
  • Entscheiden, für wen Sie verzeihen: für sich selbst
  • Loslassen, was Sie nicht ändern können
  • Neuausrichten Ihrer Energie auf das, was kommt

Eine Einladung an Sie

Wenn Sie merken, dass Sie an alten Verletzungen festhalten, an Konflikten, die längst vergangen sind – fragen Sie sich:

Wem nützt mein Festhalten? Wer profitiert davon, dass ich diese Last weiter trage?

Die Antwort ist meist: niemandem. Am wenigsten Ihnen selbst.

 

Verzeihen ist keine Schwäche. Es ist ein Akt der Selbstfürsorge. Es ist die Entscheidung eines starken Menschen, sich nicht länger von der Vergangenheit definieren zu lassen.

 

Ihre

Petra Schreiber

Karriereberatung • Stressmanagement • Burnout-Prävention

 

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