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Duzen oder Siezen im Business

Duzen oder Siezen im Business

Anmerkungen zum Artikel  Siezt Du noch oder duzt Du schon?  vom 05.01.2017 der Haufe Online Redaktion

 

 

Von Petra Schreiber, Karriere-, Image- und Persönlichkeitstrainerin, Geschäftsführerin von Step & Talk und Exzellenz Business Akademie

 

 

 

 

Auf Du und Du mit dem Chef? Wie formell es in Deutschland unter Kollegen und zwischen Mitarbeitern und Chefs zugeht, zeigt eine Studie zur Unternehmenskultur.

Volkswagen hat gerade Englisch zur Unternehmenssprache gemacht und damit indirekt auch die formale Ansprache in der "Sie"-Form abgeschafft.  

 

Petra Schreiber: „Und das betrifft ausnahmslos alle Mitarbeiter, auch die u.a. in der Produktion? Die Einführung von Englisch als Unternehmenssprache hat meiner Ansicht nach nichts mit der Abschaffung der „Sie“-Form zu tun, da es im Englischen diesen Unterschied „Du+Sie“ nicht gibt.“  

 

 

Welches Standing das Siezen in der Unternehmenskultur deutscher Betriebe allgemein noch hat, zeigt nun eine Studie – mit eindeutiger Tendenz.

 

Demnach siezen sich nur noch in drei Prozent aller Unternehmen ausnahmslos alle Mitarbeiter untereinander. Knapp zwei Drittel (63 Prozent) der insgesamt 17.000 befragten Fachkräfte ist mit einigen Kollegen per "Du", während sie die Führungsebene mit "Sie" ansprechen.

 

Hierachien als Hindernis, die das Duzen überwindet

 

Petra Schreiber:  „Das zu glauben ist sicherlich vermessen und löst das eigentliche Problem des „nicht führen können“ nicht und erzielt auch nicht mehr Respekt. Eltern die sich auf die Stufe ihrer Kinder stellen, weil sie deren Freunde sein wollen, werden auch eher belächelt als ernst genommen.“

 

 

Die Zahlen stammen aus einer Studie, die die Online-Jobbörse Stepstone und die Managementberatung Kienbaum durchgeführt haben. Deren Autoren sehen angesichst der Ergebnisse schon das langsame Aussterben der Siez-Kultur besiegelt.

 

"Der Abschied vom Sie ist dabei kein einfacher Ausdruck des Zeitgeistes. Er hat vielmehr damit zu tun, wie Menschen heute zusammenarbeiten", kommentiert Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von Stepstone.de, die Ergebnisse. Es sei wichtig, dass Entscheidungen schnell und nicht mehr nur von Führungspersonen getroffen werden können.

 

Petra Schreiber: „Was hat das mit der Ansprache zu tun? Das liegt einzig und allein in der Führungskraft, die es nicht schafft Mitarbeiter und Team mit einzubeziehen und zu verantwortlichem Handeln zu bewegen und sie dann aber auch davon profitieren zu lassen. Den Teamgeist und das WIR zu stärken und sich nicht selbst in den Vordergrund zu stellen, das ist eine Charakterfrage und eine Frage einer starken oder eben schwachen Persönlichkeit.“

 

 

 "In solchen dynamischen Umfeldern werden Hierarchien zum Hindernis für effizientes Arbeiten. Das Du ist ein Ausdruck der Revolution, die gerade in der deutschen Wirtschaft stattfindet", erklärt Dettmers.

 

Petra Schreiber: „Meiner Ansicht nach, und das sage ich aus über 30 Jahren Berufserfahrung, im Personalbereich, als Führungskraft sowie Karriere-, Image- und Persönlichkeitstrainerin, wird dieser Schuss nach hinten losgehen. Denn effizientes Arbeiten hat nichts mit Duzen oder Siezen zu tun, sondern mit

 

  • Organisation und Motivation
  • Offenheit den Mitarbeitern gegenüber (offen für deren Meinungen und Ideen, auch dazu zu stehen, dass diese vielleicht besser sind wie die eigenen, dies auch mal nach oben zu kommunizieren (nicht nur ICH, ICH habe geleistet, sondern WIR!),

 

  • Informationsweitergabe (ja und da scheitert es leider bei vielen Vorgesetzten, die immer noch der Meinung sind „Wissen ist Macht“, die an Ihrem Posten kleben komme was da wolle),

 

  • Interesse und Empathie für die Mitarbeiter als Mensch haben und zeigen (wie ist der, was denkt er, was beschäftigt ihn, was interessiert ihn, auch Privates, eben was zum Menschsein dazugehört)     

 

  • angemessene Distanz (Nähe professionell zulassen, selbst menschlich auch mal privat rüberkommen, aber auch so viel Distanz schaffen, dass sich beide Seiten wohl und sicher fühlen im Umgang miteinander. D.h. ich führe niemanden in Versuchung über die „Stränge“ zu schlagen, denn das passiert leider beim „Du“ noch allzu oft, da es in unserer Kultur eher mit Freundschaft verbunden wird und daher Distanzen überschritten werden, die eher zu Schwierigkeiten im Rahmen des respektvollen Umgangs führen.  

 

Ich als Vorgesetzte/r muss Mitarbeiter führen können, d.h. sie nicht nur zur Arbeit motivieren, sondern auch was den Umgang mit Hierarchien und Kollegen und Mitarbeiter angeht. Das ist hohe Schule der Führung und kann ich nicht mit dem Abschaffen die „Sie-Form“ erreichen.  Das hat etwas mit Charakter und persönlichen Eigenschaften zu tun, die das Fördern. Gerne trainiere ich Sie dahin! 

 

Übrigens, in meinen Seminaren (Bewerbung und Etikette) für junge Menschen, finden diese das Duzen ganz toll, denn, so deren Aussage: „sind sie gleich mit dem Chef, wir sind auf gleicher Ebene". Diese Aussage finde ich immer wieder sehr spannend, vor allem für die Chefs. Wie bringen Sie als Vorgesetzter nun rüber, dass es da trotzdem noch einen „kleiner Unterschied“ gibt? Dazu bedarf es jetzt einer starken Persönlichkeit oder der „SIE-Form“ als Distanzmittel.

 

 

Wo jeder Zweite mit dem Chef per Du ist

 

Wie oft Kollegen geduzt werden, hängt der Studie zufolge sowohl von der Größe des Unternehmens als auch von der Branche ab: Es sind vor allem die ganz großen und ganz kleinen Unternehmen, in denen die Mitarbeiter miteinander oder auch mit ihren Chefs per Du sind.

 

Bei Arbeitgebern mit 500 bis 1.000 Mitarbeitern steigt die Duz-Quote auf 70 Prozent, Konzerne mit Mitarbeiterzahlen zwischen 20.000 und 50.000 kommen auf 71 Prozent. Tendenziell herrscht in größeren Unternehmen meist eine Mischkultur vor: Kollegen werden geduzt, Chefs gesiezt.

 

In kleineren Unternehmen geht es im Schnitt auch über Hierachieebenen hinweg informeller zu: Sie setzen zu einem höheren Anteil auf die reine Du-Form. Während im Gesamtschnitt der Befragten jeder Dritte alle Kollegen und Vorgesetzten duzt, ist in Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern jeder Zweite mit seinem Boss per Du.

 

Petra Schreiber: „Bei dieser Aussage muss man sicherlich berücksichtigen, dass man sich in kleinen Unternehmen besser kennt, hier erfolgt zwangsläufig oft ein besserer Austausch, mehr an Informationen, hier bekommen die Mitarbeiter hautnah mit, wie es um das Unternehmen steht, oft arbeiten Mitarbeiter in mehreren Generationen dort, man kennt sich, empfiehlt weiter, also Personalmarketing vom Feinsten und Employer Branding war hier schon immer besser gegeben.  Hier ziehen tatsächlich alle mehr an einem Strang, weil die Mitarbeiter mehr mit dem Unternehmen verbunden sind, oft mehr Loyalität vorhanden ist. In der Regel erfolgt hier auch von den Vorgesetzten oder Unternehmenseigentümern den Mitarbeitern gegenüber eine bessere Wertschätzung wie es z.B. in großen Unternehmen, vor allem in Konzernen nicht stattfindet. Dort wo der Mitarbeiter nur als Kopfzahl gerechnet wird, öfters Wechsel in der Unternehmensspitze oder in der Mitarbeiterstruktur stattfinden und es weniger persönlich zugeht sowie jeder auf seinen Bereich fixiert ist und nicht das große Ganze gesehen wird, was sich ganz besonders, und das sage ich auch aus eigener Erfahrung, in der Arbeit in Projektteams widerspiegelt“.

 

 

Banker und Beamte siezen ihre Kollegen meist

 

Auch im Branchenvergleich zeigen sich deutliche Unterschiede: Am lockersten geht es demzufolge im Bereich Public Relations und in der IT-und-Internet-Branche zu. Hier sind mehr Fachkräfte mit allen Kollegen per "Du" als in allen anderen Branchen (jeweils 70 Prozent).

 

Am formellsten adressieren sich der Studie zufolge Mitarbeiter in der Metallindustrie, in Banken und im öffentlichen Dienst. Während jeder fünfte Metaller und Banker seine Kollegen mit dem informellen Du anredet, sind es bei den Beamten und ihren Kollegen im öffentlichen Dienst nur 15 Prozent.

 

 

"Starre Strukturen abzubauen ist für viele Arbeitgeber sinnvoll"

 

Die Studienautoren sehen im Hierachieabbau und der damit oftmals einhergehenden Duzkultur nicht nur einen Vorteil für ihre Organisationsentwicklung, sondern auch einen Vorteil im Bereich Personalmarketing und Employer Branding.

 

Petra Schreiber: Darauf bin ich wirklich gespannt! Denn Hierarchieabbau ist ja nun auch nichts wirklich Neues am Markt, und ob Sie sich nun Duzen oder weiterhin Siezen, vergessen Sie nicht den respektvollen und wertschätzenden Umgang miteinander, den jeder von uns für sich selbst persönlich erwartet. Sind Sie Vorbild, nehmen Sie sich auch mal zurück um andere hervorzuheben, holen Sie sich qualifizierte Mitarbeiter, profitieren Sie voneinander, indem auch Sie Ihr Wissen zur Verfügung stellen um andere zu fördern und fordern. Motivieren, strukturieren und organisieren Sie ihr Arbeitsumfeld und ihr Team. So kommen Sie ins Gespräch und den Kontakt miteinander, dann funktioniert auch Personalmarketing und Employer Branding.   

 

 

"Im Zuge der Digitalisierung müssen sich auch Großunternehmen und Konzerne wandeln. Als Arbeitgeber stehen sie nun mit erfolgreichen Start-ups im Wettbewerb um die besten Köpfe", resümiert Walter Jochmann, Geschäftsführer bei Kienbaum. Starre Strukturen abzubauen sei daher für viele Arbeitgeber sinnvoll.

 

Petra Schreiber: Das ist grundsätzlich eine sinnvolle Idee, nur sind gewachsene Großunternehmen und Konzerne nicht mit „Start-ups“ zu vergleichen, die sich noch auf Dauer positionieren müssen. Starre Strukturen abbauen JA, d.h. die Unternehmenskultur des Miteinanders zu ändern und besonders zu fördern. Das fängt beim Kopf an und muss in diesen Köpfen zuerst gewandelt und tatsächlich vorgelebt werden. Mitarbeiter erwarten übrigens immer noch Vorbilder. Ein Prozess der Jahre dauert und nicht „per Order di Mufti“ angeordnet werden kann und sollte. Das Umdenken muss im Menschen beginnen und von innen heraus gelebt werden, ein langer Prozess und er muss von der handelnden Person vor allem gewollt sein.  

 

Persönlich glaube ich, dass in unserer heutigen Gesellschaft, die geprägt ist von schnellem Handeln, ständigen Neuerungen, virtuelle Welt, Egoismus, öffentlicher Darstellung und Einsicht ins Privatleben in sozialen Netzwerken, öffentliche Bewertungen und Diskriminierungen in diesen Netzwerken, einer zunehmenden Distanz- und Respektlosigkeit vor allem in der virtuellen Welt, aber auch realen Welt, Oberflächlichkeit im Umgang miteinander wir uns durch den Abbau von Distanzzonen wie das „Siezen“ persönlich nichts Gutes tun. In unseren Genen vorhanden und auch im Inneren wünschen wir uns immer noch Aufmerksamkeit, Wertschätzung, Höflichkeit und Respekt voreinander, das sagen u.a. die jungen Menschen in meinen Seminaren. Ich muss es aber auch selbst leben um es zu bekommen.

 


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